Wie bausteln mal bei Fritz zu Gast war.

4. November 2009 von Philip Steffan | 2 Kommentare

Wie berichtet, waren wir am Montag Nachmittag beim öffentlich-rechtlichen Radiosender Fritz eingeladen, um dort in der Nachmittagssendung rund 10 Minuten lang etwas über bausteln.de im Allgemeinen und das botanifon im Besonderen (nach wie vor ein guter Aufhänger, um das Thema in die Medien zu bekommen) zu reden.

Da ja alles im Radio multimedial zugeht, wurde auch am Samstag vor der Sendung ein kleiner Film mit mir produziert sowie live während der Sendung fotografiert. Video und Fotos sind online auf der Fritz-Website zu finden. Außerdem hatte die Redaktion noch einen vorproduzierten Beitrag über die tolle La Bastellerie, die ja seit kurzem in Berlin mit einem ständigen Bastelladen in der Lausitzer Straße 13 mitmischt.

So weit, so schön – danke an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fritz, mit denen wir zu tun hatten. Eine Sache hat mich noch vor Ort allerdings sehr geärgert: Wie tief die gesellschaftliche Rollenverteilung der Geschlechter in den Köpfen ist und wie selbstverständlich sie behandelt wird.

Die Frage der Moderatorin Sabrina Vetter, ob „sie als Mädchen“ damit etwas anfangen kann, finde ich schon schade. Sicher, als Anwältin der Zuhörerinnen und Zuhörer stellt sie ja auch Fragen, die das im Radio sprachlose Publikum vielleicht an uns hätte. Wer aber so fragt, transportiert dennoch ein gesellschaftliches Bild, auf das ich als Interviewter dann kontern muss. Das Thema an sich anzuschneiden, ist sehr gut. Ich frage mich dennoch, warum es nie positiv gefragt wird, im Sinne von „Was sind eure Ansätze, um nicht nur ein männliches Publikum anzusprechen?“.

Vom Moderator Jakob Kranz dann in der Abmoderation dann auch noch Witze über Nerds (die ohne Freundin, die einem dafür einen PC zusammenbauen, hahaha) hören zu müssen, ist ebenso ärgerlich. Wenn man sich wie wir aktiv Gedanken macht, wie man Menschen einbinden und begeistern kann, die sich zwar für Baustel-Themen interessieren, aber bisher erlebt haben, dass diese (mit dem sehr oft abschreckenden) männlich-technischen Nerd‑ und Hackertum einhergehen, stimmt einen das schon traurig.

Und so sehr es mich gefreut hat, dass thematisch passend Ina und Cati von der Bastellerie auch noch (per Reportage) in der Sendung vorkamen: Dort das gleiche Spiel, à la „Aber – hey Jungs – das ist nicht nur was für Mädchen! …“. Spätestens dann war klar: Fritz will das Thema DIY paritätisch angehen und hat daher einen Beitrag für die männliche Zuhörerschaft und einen für die weibliche. Da man ja progressiv ist, wird noch jeweils darauf hingewiesen, dass auch Mädchen löten und Jungs basteln dürfen. (Und fast schon gut, dass die Bastellerie nur „weiblich“ konnotierte Tätigkeiten anbietet, sonst hätte man on air vermutlich noch wohlgemeinte Scherze ertragen müssen, dass Frauen mit Bohrmaschine und Schweißgerät natürlich lesbisch sein müssen.)

Vielleicht wirkt das alles an der Oberfläche gar nicht so schlimm. Ich finde aber doch, dass es zeigt, wie wenig auch ansonsten sehr kluge Menschen über Rollen nachdenken (auch vor allem ihre eigene). Wer meint, es sei progressiv zu fragen „Ist das auch was für Mädchen?“, agiert aus einer konservativen Sicht, finde ich.

Aber okay, genug über die Vergangenheit. Jetzt: Weniger reden, mehr selber machen. Und in Zukunft noch mehr auch an die eigene Nase fassen.

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2 Kommentare zu „Wie bausteln mal bei Fritz zu Gast war.“.

  1. Bei Blogger kann man leider nicht aktiv Trackbackpings schicken, daher: Deine Gedanken habe ich gerne weitergegeben!

  2. Echt ärgerlich. Und selbst wenn die Hörerschaft so denkt, sollte man als Moderator versuchen, eben nicht in diese Klischee-Kerbe zu hauen.
    Schade.

    Viele Grüße.
    Michaela

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