Mobiles Fab Lab in Hamburg
Wie bereits angekündigt war in der vergangenen Woche der niederländische Fab Lab Truck auf Einladung der Initative Fabulous St. Pauli in Hamburg. Niels Boeing hat für die Technology Review ein informatives Interview mit Jaap Vermaas vom Fab Lab Truck geführt: Maschinen als Spielzeuge präsentieren.
TR: Was haben Sie mit dem Truck vor?
Vermaas: Zum einen will ich zeigen, was diese Maschinen bereits können, und sie an Orte bringen, wo die Leute sie erleben können. Zum anderen will ich versuchen, die Maschinen zu verbessern, so dass die Menschen sie leichter selbst bauen können.
Ich glaube, es ist wichtiger, die Maschinen zu vereinfachen, als sehr viel Wert auf die Qualität der Maschinen zu legen. Teurere, präzisere Maschinen sind schwerer selbst zu bauen. Um die Fab-Lab-Technologie weiter zu verbreiten, brauchen wir also vor allem leicht bedienbare Maschinen, die mit Open-Source-Software laufen.
An einer Stelle irrt Boeing: Die Fablab-Szene in Deutschland ist zwar noch nicht soweit wie in Holland, aber dennoch durchaus vorhanden: In zahlreichen Hackerspaces und Kreativlaboren wird auch hier gemeinsam geforscht und gebaut und in fast jeder größeren Stadt gibt es unterschiedlich weit gediehene Initiativen, im Februar fand zudem ein Vernetzungstreffen in Bremen statt. (Nicht zuletzt schreibe ich diese Zeilen in der Open Design City in Berlin, die alle Punkte der offiziellen Fab-Lab-Charta erfüllt.)
Fotos von der Aktion auf St. Pauli gibt es bei Flickr u.a. von mir und ihdl sowie auf der Seite von Fabulous St. Pauli.
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3 Kommentare zu „Mobiles Fab Lab in Hamburg“.
lieber philipp,
da diese diskussion, wie viele fab labs es in D gibt oder nicht gibt, verschiedentlich auftaucht: wenn ich sage, dass D noch nicht so weit ist, meine ich explizite fab labs im sinne der fab charter — und keine hacker spaces etc. irgendjemand wollte mir schon die c-base in berlin als fab lab verkaufen.
das ist nicht dasselbe, und ich finde es auch wichtig, da präzise zu sein. beim fab-lab-konzept geht es auch ganz stark um die soziale einbindung der anwohner, die offenheit vor ort, die überwindung der technokratie. das ist keine veranstaltung von spezialisten.
ich war im februar selbst in bremen auf dem fab lab camp und denke, dass wir 2011 einige fab labs hierzulande haben werden. da kommt gerade eine menge in gang. das ist toll.
aber die hiesige szene sollte einfach mal akzeptieren, dass NL viel! weiter ist. dann die ärmel hochkrempeln, fab labs starten und die bevölkerung reinholen und weiterbilden. das ist der auftrag.
ciao, nbo
Hi Niels,
danke für deinen Kommentar. Die Niederlande sind da natürlich viel weiter, was auch an tollen Organisationen wie waag liegt — dort war man ja auch mit der niederländischen Abteilung von Creative Commons schon Jahre vor Deutschland am Start, so dass wir uns noch vor einigen Jahren für CC-Veranstaltungen die Experten von dort eingeladen haben.
Ich bin auch ein starker Kritiker des reinen Hackerspace-Konzepts, weil ich selbst erlebt habe, wie wenig zugänglich diese Orte sein können und wie stark die Abgrenzung zur Umgebung und gegenüber potentiell interessierter Menschen oft ist.
Deine Bemerkung im Interview, es würde in Deutschland fast nichts passieren, kam mir halt nur etwas zu absolut vor. Es kam mir ein wenig vor wie eine Geringschätzung der Arbeit und Bemühungen von Menschen, die ich kenne oder mit denen ich zusammenarbeite, die genau diese Dinge gerade anschieben.
So oder so, der Blick geht nach vorne und ich freue mich darauf, was alles so ansteht und ich hoffe, dass ich dabei helfen kann.
na, ich hab doch im interview nur geschrieben, dass es in D nur ein offizielles fab lab gibt. das ist nun auch nicht dasselbe wie zu sagen, dass fast nichts passiert.
und die kritik richtet sich, wenn überhaupt, an offizielle institutionen (forschungsinstitute, unis). die hiesige ingenierskultur findet das konzept seltsam, und gershenfeld wird auf konferenzen als keynote speakter nur eingeladen, weil man glaubt, man müsste noch einen „visionär“ im programm haben. dabei ist das konzept längst realität.
ich bin aber sehr zuversichtlich, dass die sache hier nun „von unten“ ins rollen kommt.
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